Die besten ETFs der letzten zehn Jahre lassen sich nicht über einen einzigen Renditewert erklären. Wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Gewonnen haben meist Fonds mit viel US-Tech, hoher Konzentration und einem klaren Wachstumsprofil. Genau darum geht es hier - ich zeige, welche ETF-Typen die Dekade dominiert haben, welche konkreten Fonds sich ein Anleger aus Deutschland anschauen sollte und woran ich einen echten Gewinner von einem bloßen Hype unterscheide.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Die Renditespitze kam in den letzten zehn Jahren meist aus US-Tech-, Nasdaq-100- und Halbleiter-ETFs.
- Breite Welt-ETFs waren stabiler, standen aber selten ganz oben in reinen Performance-Ranglisten.
- Für einen fairen Vergleich zählen Fondsalter, TER, Tracking Difference, Währung und Replikationsmethode.
- In Deutschland sind UCITS-ETFs, Sparplanfähigkeit und transparente Kostenstruktur besonders wichtig.
- Ein Renditegewinner ist nicht automatisch der beste Baustein für ein langfristiges Depot.
Welche Suchintention hinter dem Thema steckt
Ich lese diese Frage als vergleichend und informativ mit einer klaren Beratungsabsicht. Niemand will hier eine ETF-Definition, sondern eine belastbare Shortlist: Welche Fonds haben wirklich geliefert, warum waren sie stark und was davon ist heute noch sinnvoll kaufbar?
Genau deshalb lohnt sich der Blick auf mehr als nur die nackte Rendite. Wer nur den Spitzenreiter sucht, übersieht schnell, dass ein Fonds mit hoher Performance oft auch mehr Konzentration, mehr Schwankung und mehr Timing-Risiko mitbringt. Darum trenne ich im nächsten Schritt die eigentlichen Renditemotoren von den Produkten, die in einem Depot nur als Beimischung Sinn ergeben.
Welche ETF-Typen die letzte Dekade geprägt haben
Wenn ich lange Zeiträume vergleiche, sehe ich immer wieder dieselben Muster: Nasdaq-100, S&P 500 und Halbleiter prägen die obere Hälfte vieler Ranglisten. Aktuelle justETF-Daten zeigen zum Beispiel für Nasdaq-100-ETFs eine TER-Spanne von 0,13 bis 0,30 Prozent und eine 1-Jahres-Rendite bis 39,13 Prozent. Bei Halbleiter-ETFs liegen die jüngsten 3-Jahres-Werte sogar teils deutlich über 270 Prozent. Das erklärt, warum gerade diese Themen in Zehnjahresbetrachtungen so oft auftauchen.
| ETF-Typ | Warum er oft stark war | Typisches Risiko |
|---|---|---|
| Nasdaq-100-ETFs | Hoher Anteil an US-Growth, Tech und Mega-Caps; starke Gewinnerkonzentration | Abhängigkeit von wenigen großen Titeln, hohe Schwankungen |
| S&P-500-ETFs | Breiter Zugang zu den größten US-Unternehmen, getragen von Plattform- und Tech-Giganten | Weniger konzentriert als Nasdaq 100, aber immer noch US-lastig |
| Halbleiter-ETFs | Profiteur von KI-, Cloud- und Elektronikzyklus; strukturell starke Nachfrage | Sehr zyklisch, anfällig für Bewertungsrückschläge |
| Länder- und Themen-ETFs | In einzelnen Marktphasen mit hoher Dynamik und starkem Momentum | Einzelrisiko, oft härtere Drawdowns als bei breiten Indizes |
| Welt-ETFs | Solider Kern mit breiter Streuung über Länder und Sektoren | Selten absolute Renditespitze, dafür deutlich robuster |
Die wichtigste Erkenntnis ist für mich simpel: Hohe Zehnjahresrenditen entstehen selten aus extremer Breite, sondern fast immer aus einem klaren Übergewicht in den besten Wachstumssegmenten. Genau daraus ergeben sich die konkreten Fonds, die ich mir als Nächstes anschaue.
Konkrete ETFs, die ich in einer Zehnjahresbetrachtung prüfe
Für einen sauberen Vergleich schaue ich nicht nur auf das letzte starke Jahr, sondern auf das Gesamtbild: Fondsalter, Kosten, Konzentration und die Frage, ob der ETF überhaupt schon lang genug existiert. Ein Fonds, der erst vor kurzem aufgelegt wurde, kann schlicht noch keine ehrliche Zehnjahreshistorie liefern. Darum nutze ich sowohl etablierte Produkte als auch aktuelle Marktführer als Referenz.
| ETF | Was daran auffällt | Meine Einordnung |
|---|---|---|
| iShares Nasdaq 100 UCITS ETF (Acc) | Auflage 26.01.2010, TER 0,30%, 101 Holdings, 92,19% USA, 51,31% Technologie, 5 Jahre +118,13%, seit Auflage +2.090,21% | Ein klassischer Rendite-Anwärter mit klarer Tech-Schlagseite. Stark, aber konzentriert. |
| Amundi Core Nasdaq-100 Swap UCITS ETF Acc | TER 0,22%, Fondsvolumen 5.852 Mio. EUR, Auflage 2001, 1 Jahr +39,13% | Sehr brauchbare Nasdaq-100-Alternative, wenn man dieselbe Marktexposition günstiger möchte. |
| iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF USD (Acc) | TER 0,35%, 1 Jahr +192,33%, 3 Jahre +271,20% | Ein Extrembeispiel für Themen-ETFs: viel Potenzial, aber auch ein ausgeprägter Zykluscharakter. |
| HSBC Nasdaq Global Semiconductor UCITS ETF | 1 Jahr +188,94%, 3 Jahre +288,24% | Noch ein Beleg dafür, wie stark der Halbleiter-Sektor zuletzt gelaufen ist. Für Satelliten gedacht, nicht für jeden Kern. |
| iShares Core S&P 500 UCITS ETF USD (Acc) | TER 0,07%, 129.556 Mio. EUR Fondsvolumen, 500 US-Aktien, 1 Jahr +26,07%, 3 Jahre +71,92% | Kein Spitzenreiter im engeren Sinn, aber ein sehr sauberer Maßstab für Qualität, Größe und niedrige Kosten. |
| Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Accumulating | TER 0,19%, Fondsvolumen 42.582 Mio. EUR, 1 Jahr +26,77%, 3 Jahre +67,54% | Für mich der Gegenentwurf zur Renditejagd: breit, einfach, robust. Oft besser für den Kern als der reine Gewinner-ETF. |
Wenn ich das auf Deutschland herunterbreche, sind das die zwei Ebenen, die ich trennen würde: Rendite-ETF für die Beimischung und breiter Kern-ETF für das eigentliche Depot. Diese Unterscheidung ist wichtiger, als viele Anleger am Anfang denken.
So prüfe ich, ob ein Gewinner heute noch kaufbar ist
Eine gute Zehnjahresliste ist nicht nur eine Rangliste, sondern ein Filter. Ich prüfe immer dieselben Punkte, weil sie mir schneller sagen, ob ein ETF wirklich passt oder nur auf dem Papier glänzt.
- Historie und Alter: Ein ETF sollte eine ausreichend lange Laufzeit haben, sonst ist die Aussagekraft begrenzt.
- Rendite in EUR: Für deutsche Anleger ist die Performance in Euro meist ehrlicher als ein reiner USD-Blick.
- TER und Tracking Difference: Die TER ist nur die sichtbare Gebühr, die Tracking Difference zeigt, was nach allen Effekten wirklich ankommt.
- Fondsvolumen und Liquidität: Große Fonds sind oft handelbarer und langfristig robuster als winzige Nischenprodukte.
- Replikation: Physisch oder Swap-basiert ist keine Glaubensfrage, aber ich will die Struktur verstehen.
- Ausschüttend oder thesaurierend: Das muss zur persönlichen Steuer- und Entnahmestrategie passen.
Gerade bei Welt-ETFs liegt die TER aktuell oft zwischen 0,05 und 0,50 Prozent, beim S&P 500 meist zwischen 0,03 und 0,07 Prozent und beim Nasdaq 100 zwischen 0,13 und 0,30 Prozent. Diese Spannen klingen klein, machen über viele Jahre aber einen spürbaren Unterschied. Wer langfristig investiert, sollte deshalb nicht nur auf die Performance schauen, sondern auf die Nettoqualität des Fonds.
Wenn diese Kriterien sauber sind, bleibt am Ende die eigentliche Portfoliofrage: Will ich Rendite maximieren oder Vermögen möglichst stabil aufbauen? Genau dort trennt sich die reine Liste der Gewinner von einer sinnvollen Anlagestrategie.
Mein nüchterner Blick auf die Gewinner der letzten zehn Jahre
Ich ziehe aus der letzten Dekade vor allem drei Schlüsse. Erstens: Die höchsten Renditen kamen fast immer aus Konzentration. Zweitens: Wer Konzentration kauft, kauft auch stärkere Schwankungen mit. Drittens: Ein ETF, der historisch stark war, ist noch lange nicht der beste Baustein für jedes Depot.
Für viele Anleger in Deutschland ist deshalb ein zweistufiges Modell vernünftig: ein breiter Kern über einen Welt- oder S&P-500-ETF und eine kleine Satellitenquote für Nasdaq 100, Halbleiter oder andere Wachstumssegmente. So bleibt das Depot investierbar, ohne die Renditechance komplett aus der Hand zu geben.
Wenn ich die letzten zehn Jahre in einem Satz zusammenfasse, dann so: Wer die Marktführer der Dekade gesucht hat, landete meist bei US-Tech und Halbleitern - wer ein dauerhaft gut gebautes Depot will, sollte diese Gewinner eher als Beigabe denn als alleinige Lösung sehen.
